Ostseeküstenradweg – VIII.

Und wieder eine Nacht überstanden. Lebend. Das ist gut. Weniger gut ist der Regen. Wir frühstücken erstmal unter der Überdachung. Ganz langsam packen wir zusammen und brechen auf. Regnen tut es nicht mehr, doch die graue Wolkendecke bleibt.

Durch das Hinterland Møns und abseits der Hauptverkehrsstraßen fahren wir bis zum im Nordwesten der Insel liegenden Damm, welcher rüber auf die kleine Insel Bogø führt. Ich verspüre, dass meine bessere Hälfte heute kraftloser ist. Die gestrige Etappe hat Körner gekostet und das trübe Wetter hebt ebenfalls nicht die Laune.

Wir hören wieder ein wenig Musik. Diesmal quer Beet. Sofort wird der Tritt meiner Frau kräftiger und ihr Gemüt fröhlicher. Doch auch das kann nicht darüber hinweg tauschen, dass die Luft ein wenig raus ist.

Bei einem kräftigen Wind rollen wir über den Damm. Kurz dahinter liegt schon der Hafen der Insel Bogø. Und von dort setzt wiederum eine kleine Fähre nach Stubbekøbing auf die Insel Falster über. Die Fähre legt an, doch bevor wir sie mit aufgesetztem Mundschutz betreten dürfen, muss erstmal die Toilette leer gepumpt werden. Der Geruch von Seetang wird binnen Sekunden vom Gestank menschlicher Fäkalien überlagert.

Lediglich ein Pärchen im Auto und wir beide mit unseren Rädern wollen übers Wasser setzen. Obwohl die beiden im Auto sitzen bleiben und wir im Freien auf der Fähre im Wind stehen, ist der Mundschutz zu tragen. Irgendwie befremdlich, da ansonsten in Dänemark in jedem noch so kleinem Lädchen auf das Tragen einer Mund- und Nasenbedeckung verzichtet wird. Wir haben unsere Masken allerdings in Geschäften aufgesetzt. Wer weiß, was man sich sonst hier noch so einfängt.

Pünktlich mit dem wieder einsetzendem Regen betreten wir in Stubbekøbing ein Lokal und verleiben uns einen leckeren Burger mit Pommes ein. Hinter Stubbekøbing geht es oftmals am Wasser entlang. Und jedes Mal, wenn die Sonne auch nur für ein paar Minuten hinter den Wolken hervor linst, freuen wir uns.

Zwischen den auch mal durch den Wald führenden Radweg und der Ostsee liegt ein total uriges Schullandheim. Wir gucken durch die Scheiben in das Innere. Ein großer Speisesaal ist zu sehen. Alle Stühle hängen wie in der Schule aufgereiht an den Tischen. Der Boden ist frisch gewienert und glänzt. Auf der zum Wasser gewandten Seite blickt man durch die einfachen Fensterscheiben direkt auf die Ostsee. Was für eine tolle Atmosphäre! Hier nochmal Schüler sein!

Wir nutzen die Bänke im Windschatten des Gebäudes zur Kaffeepause. Der Kuchen ist noch nicht zur Gänze einverleibt, da fängt es wieder an zu regnen. Ein Blick auf Google maps verrät, dass der nächste öffentliche Campingplatz 12 Kilometer entfernt liegt. Also Endspurt bis dorthin.

In Marielyst werden wir dann freundlich von der Campingplatz Betreiberin empfangen und bekommen einen windgeschützten Zeltplatz inklusive Sitzgelegenheit und Panoramablick auf die Ostsee zugeteilt.

Meine Frau sagt, „Ist aber auch immer ganz schön Arbeit, das Zelt aufzubauen“, während ich das Zelt aufbaue, ich die Matten aufpumpe und ich das Essen zubereite. Doch ich will meinen Fleiß nicht groß hervor heben. Spätestens zuhause wird sich das Blatt wieder wandeln und ich werde sagen: „Ist aber auch ganz schön viel Hausarbeit immer“, während die beste Ehefrau von allen die Betten neu bezieht, die Wohnung saugt und das Essen kocht.

Noch ein abendlicher Spaziergang barfuß am Strand und anschließende Verwertung sämtlicher Essensreste. Einschließlich der bereits dritten Lakritz-Schokolade. Wir liegen abends im Zelt und meine liebe Frau stellt fest:

„Ich fahre morgen nach Hause. Ich glaube mir reicht’s. Auch wenn das Wetter wieder besser werden soll, möchte ich wieder in meinem Bett schlafen.“

„Weißt du was?“, sage ich. „Ich fahre morgen auch nach Hause. Wollen wir zusammen fahren?“

„Ja.“

Wahrscheinlich ist das die erste ruhige Nacht für meine Frau auf dänischem Boden, jetzt da sie weiß, es geht wieder nach Hause.