Orbit360 – Prolog

Ich bin gerade von meiner auf halber Strecke und aus einer Mischung aus Schwäche und Schlechtwetter abgebrochenen Bikepacking Trans Germany Tour zurück, da höre ich erstmalig von einer Radrenn-Veranstaltung mit Namen Orbit360.

Das Wort Orbit entstammt dem lateinischem – orbita = Bahn – und bezeichnet in der Raumfahrt und Astronomie die Bahnkurve, auf der sich ein Objekt aufgrund der Gravitation im freien Fall periodisch um ein anderes Objekt bewegt. Aha… Freier Fall trifft auf mich schon mal zu. Denn wenn ich anfange Rad zu fahren, ist es bis zu diesem oft nicht weit.

Auf der Homepage lese ich: Orbit360. 1 country. 16 states. 16 tracks. 1 Race. Germany´s first gravel series. Also eine aus 16 Rundkursen – in jedem Bundesland einer – bestehende Gravel-Renn-Serie in Deutschland.

In einem gut 9 Wochen langem Zeitfenster von Anfang Juli bis Anfang September dürfen leistungs- und leidensfähige Radfahrer einzelne Orbits oder auch alle fahren. Jeder für sich allein und im Selbstversorgermodus. Die Rundkurse sind zwischen 212 km und 323 km lang und versprechen 730 bis 4160 Hm. Einen fixen Startpunkt für die jeweiligen Orbits gibt es Corona-bedingt nicht. Zu jedem Zeitpunkt innerhalb des Zeitfensters und auch an jedem Punkt auf der Strecke darf gestartet werden. Dann gilt es, den Orbit im Uhrzeigersinn abzufahren. Es darf pausiert und auch genächtigt werden so viel man mag. Doch die Uhr läuft erbarmungslos weiter. Wer also in der Wertung einen guten Platz bekommen möchte, sollte das Ding möglichst in einem Rutsch absolvieren und die Pausen auf später verschieben. Ist die 360-Grad-Drehung auf dem Orbit vollbracht, lässt man die mit einem GPS-Gerät aufgezeichnete Rundenhatz der Rennleitung zukommen. Die prüft, ob die Strecke eingehalten wurde und listet die Teilnehmer in einem Online-Ranking. Für jeden gefahrenen Orbits gibt’s Punkte und für die schnellsten Teilnehmer weitere Punkteboni. Am Ende kann man schauen, wo man im jeweiligen Bundesland oder auch in der Gesamtwertung steht und darf sich freuen.

So weit. So schön. Ich melde mich in einem Anfall von Selbstüberschätzung an. Mein Streckenmaximum innerhalb von 24 Stunden auf Asphalt beträgt zu diesem Zeitpunkt 200 km und auf unwegsamerem Gelände – also Gravel bzw. Schotter, Wald und Wiesen – 150 km. Warum dann nicht auch mal 323 km in one go durch die Walachei brettern? So wie beim Orbit in Bremen. Dem längsten der 16 Tracks.

„Just make it or break it“, fordert die Webseite des Orbit 360 auf.

Ich hau die sehr moderate Startgebühr raus und rüste mein Gravelrad Green Hornet mit Front- und Rücklicht aus. Drei Orbits würde ich auf jeden Fall in Angriff nehmen wollen: Bremen, Hamburg und Niedersachsen.

Auftakt soll mein Heimat-Orbit sein: der im Bundesland Bremen. Bei einem 15er Schnitt sind schon mal 21 Stunden reine Fahrzeit zu veranschlagen. Dazu Pausen und evtl. eine Mütze Schlaf. Die Routenplaner-App behauptet „Die übliche Dauer für diese Tour liegt bei 4 bis 7 Tagen“. Da werde ich wohl drunter liegen. Aber natürlich verspreche ich mir nun auch nicht, nur annähernd in die oberen Regionen der Rangliste zu kommen. Doch sollte ich es schaffen, einen oder mehrere Orbits erfolgreich zu absolvieren, wäre das bereits ein Erfolg. Zeit hin oder her.

Klingt wild, oder? „Just make it or break it.“