#festive 500 – V.

Um 6:38 Uhr werde ich wach. Der Wecker klingelt in 7 Minuten. Ich stehe wieder sofort auf. Heute werde ich meine Festive 500 – Fahrt abschließen. Der Zug geht um 7:41 Uhr und um 8:13 Uhr steige ich am Nordholzer Bahnhof aus.

Am Marinestützpunkt vorbei und einmal den Wanhödener Berg umfahrend – was sich jetzt deutlich spektakulärer anhört als es tatsächlich ist – rolle ich durch den Hohensteinforst. Ein schöner Abschnitt. Und die Sonne lässt sich auch blicken. Was für ein toller Tag! Selbstzufrieden nehme ich die letzten Kilometer unter die Räder.

Über Kransburg und Cappel darf ich ein wenig dem Wind bis Dorum-Neufeld trotzen. Das Leuchtfeuer Obereversand mit Blick auf das Wattenmeer wird feierlich erklommen.
Anschließend über den Altendeich bis Wremen. Dort bin ich bei Freunden zum Frühstück eingeladen. Ich mache Halt am Bäcker, um Brötchen zu holen. Eine Schlange von 25 Leuten blockiert den kompletten Innenraum. Eine Dame verlässt das Geschäft mit Berlinern und stöhnt: „Das hat heute aber lange gedauert.“ Die Wremer Bedienung hinterm Tresen packt ähnlich schnell wie das Faultier in Zoomania einen Berliner nach dem anderen in die Tüte. Ohne mich. Dann müssen wir heute halt auf Brötchen verzichten.

Ist das eigentlich normal, für ein paar Berliner so lange anstehen zu wollen? Die Teile gibts‘ doch das ganze Jahr. Klar, wer Sylvester feiert, muss das wohl haben. Selbst manch ein Zeuge Jehovas kann den Jahreswechsel nicht ohne Berliner überstehen. Nein, natürlich hat das dann nichts mit einem Sylvesterbrauch zu tun. Berliner werden am 31.12. gekauft, weil… ja, weil sie dann am frischsten sind. Logisch.

H. und O. haben zum 11.15 Uhr-Frühstück alles aufgefahren, was das Herz begehrt. Sogar mit Knoblauch und Zwiebeln verfeinerte Krabben von O.´s Kutter. Das Feuer im Kamin lodert und alles ist rundum gemütlich.

Gesättigt und aufgewärmt werden die letzten Kilometer in Angriff genommen. Etwas langsamer als gewollt, da plötzlich mein linkes Knie schmerzt. Bei Erreichen der 500-Kilometer-Marke in Höhe Flötenkiel hüpft das Herz. Ohne selbst eingegangene Verpflichtung wären die Kilometer in dieser Jahreszeit nie zusammen gekommen. Never ever.

Rad fahren kann so vieles sein. Anstrengend. Leicht. Langweilig. Interessant. Wärmend. Auskühlend. Belebend. Ermüdend. Oder einfach schön.

Ich werde zur Feier des Tages einen Berliner essen, eine Rakete zünden, mir Vorsätze fürs neue Jahr machen und Raclette essen. Natürlich nicht, um Sylvester zu feiern. Sondern das Bestehen meines persönlichen Festive 500.

500 Kilometer. 8 Tage. Manchmal muss dem Kind einfach nur ein anderer Name gegeben werden.