#festive 500 – IV.

Um 6 Uhr werde ich wach, döse weiter bis 6:30 Uhr und stehe ohne weiteres Zögern 15 Minuten vor dem Klingeln des Weckers auf. Ich muss weder an Butter noch an Trüffelschweine denken. Ich will einfach nur Rad fahren. Eine 100 km lange Rundtour ab Heinschenwalde.

Die Wetter-App warnt vor Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Es sind 0° C und gefühlt -4° C.

Während ich dösig im Zug sitze, ruft die beste Ehefrau von allen an und fragt, was es mit dem gefüllten Trinkflaschen auf der Spüle auf sich hat. Ups… Die habe ich wohl vergessen. Gut, dass ich durch Bremervörde und am Supermarkt vorbei kommen werde.

Zuvor geht es durch den Wald. Hat wohl seinen Grund, dass es Heinschenwalde heißt. Der Morgenhimmel glüht rot. Ich schrecke Eichhörnchen, Rehe und Rebhühner auf. Der Waldboden ist angefroren, die Luft kalt und klar.

In Bremervörde wird bei McDonald’s gefrühstückt. Bei der Eiseskälte bevorzuge ich etwas Warmes. Und für 99 Cent gibt es wohl keinen besseren Kaffee als den von Mäckes.

Im Naturschutzgebiet Hohes Moor sind die Wege rustikal. Raureif auf dem Gras, tief stehende Sonne und ein Hauch von Eis auf den Wasserflächen. Moorlandschaften haben etwas verwunschenes, mystisches. Mal unheimlich und bizarr, heute winterlich und verträumt. Täte mich nicht wundern, wenn ich das Aschenbrödel auf einem weißen Pferd in der Ferne reiten sähe.

Das Moor verlassend geht es weiter auf einsam gelegenen Wegen bis Hesedorf. Auf der anderen Seite eines schmalen Grabens nimmt ein Reh vor mir reißaus. Wir bewegen uns vielleicht 300 Meter parallel zueinander. Jeder auf seiner Seite des Grabens. Wie leichtfüßig das Reh Hindernisse überwindet, ist faszinierend zu beobachten. Dann entschwindet es im hohen, mit Raureif überzogene Gras. Die Schönheit, die Erhabenheit dieser Szene erfüllt mich zutiefst mit Dankbarkeit.

Schade, dass sowohl der Bäcker in Bevern noch das Café „Apolonias Hus“ in Plönjeshausen geöffnet haben. Dann muss halt mal wieder der Vorraum einer Volksbank zum kurzfristigen Verschnaufen und Aufwärmen dienen.

Das Huvenhoopsmoor wird umrundet, doch der Aussichtsturm nicht mehr erklommen. Meine Kräfte verlassen mich. Die Kälte und der nicht immer einfach zu befahrene Untergrund haben mich ausgelaugt. Ich bin nass geschwitzt und nur meine dünne, aber recht winddichte Jacke bewahrt mich vorm Erfrieren.

Anstatt den eigentlichen Endpunkt meiner Rundtour anzusteuern – Heinschenwalde – und dort eine gute halbe Stunde in der Kälte auf den Zug zu warten, fahre ich über Frelsdorf bis Geestenseth weiter und nehme dort die Bummelbahn um 15:58 Uhr.

Am Hauptbahnhof Bremerhaven muss noch mal umgestiegen werden und in diesen 5 Minuten auf dem Bahnsteig ist mir so kalt, dass ich anfange zu zittern. Erschöpft und zufrieden werde ich von der besten Ehefrau von allen auf dem Bahnsteig in Lehe in Empfang genommen.

440 von 500 km sind geschafft. Morgen Ruhetag. Am Dienstag Finale.