#festive 500 – III.

Um 5:42 Uhr werde ich wach. Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Ich wecke Sohnemann. Am Vorabend habe ich mich nochmals rückversichert, ob er tatsächlich mitfahren möchte. Auch ohne Restalkohol im Blut bejahte er das. Nicht mehr ganz so selbstsicher, fast zögerlich. Aber er steht zu seinem Wort. Guter Junge. Deswegen habe ich auch noch in einer vorabendlichen Bastelaktion einen neuen Umwerfer an sein Fahrrad gefrickelt.

Der Zug geht um 7:23 Uhr. Um 9:03 Uhr steigen wir am südlichen Rand des VBN-Gebietes in Lemförde aus. Von dort sind es ziemlich genau 100 km bis zum Hauptbahnhof Bremen, wenn wir uns abseits der Hauptverkehrswege halten.  

Ein Café mit Blick auf den Dümmer See hat geöffnet. Im Innenraum sind mindestens 25 Plätze frei. Man sagt uns, die seien alle reserviert. Wir dürften aber im Freien auf der Terrasse sitzen. Machen wir.

Ob ich Rührei bekommen könnte?“
„Haben wir. Aber heute nur Buffet. Nicht einzeln.“
„Dann nur den Kaffee. Oder können Sie mir dazu ein Stück Kuchen bringen?“
„Kuchen erst ab 14 Uhr.“
„Dann nur den Kaffee. Danke.“

Als wir aufstehen, um weiter zu fahren, sind immer noch 20 Plätze unbesetzt. Rührei ist auch ausreichend vorhanden. Am Buffet. Und ich nehme an, der Kuchen wird am 2. Weihnachtsfeiertag auch nicht erst um 13:30 Uhr vom Bäcker angeliefert, sondern steht längst in der Küche, um ab 14 Uhr gereicht werden zu dürfen. Willkommen in der Service-Wüste Deutschland. Gleich neben dem zweitgrößten See Niedersachsens gelegen – dem Dümmer See.

Wir radeln durch Diepholz und Barnsdorf. In den Räumlichkeiten der Volksbank in Heiligenloh rasten wir auf dem Boden und wärmen unsere Rücken am Heizkörper mit Blick auf den Geldautomaten. Welch ein Luxus!

Sohnemann verlassen langsam die Kräfte. Er ist nicht im Training und sein Sattel ist mit seinem Hintern noch nicht so gut befreundet wie der meinige mit meinem Mors. In Twistringen entscheidet er, noch bis Bassum mitzufahren. In Bassum sagt er: „Noch weiter bis Syke.“ Dort lässt er endgültig abreißen. Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. 80 km aus dem Stand bei winterlichen Temperaturen sind anerkennenswert. Mehr als ich den meisten anderen zutrauen würde. Ich habe mich jedenfalls richtig gefreut, dass mein Sohn heute mit war.

Während ich die letzten 25 km bis zum Bremer Bahnhof noch mal Vollgas gebe, sitzt Sohnemann im Zug. Am Hauptbahnhof treffen wir uns wieder und fahren gemeinsam mit der Deutschen Bahn nach Hause.

Dusche. Döner-Teller bei Torres. Ab ins Bett.