„Unsere Heimat hat Potenzial“

Bildungsurlaub mit dem Rad im Rheinischen Braunkohlerevier – Teil I.

Auf einem Sonntag um 18 Uhr beginnt unser Bildungsurlaub. Ganz richtig gelesen. Zu einer Zeit, wo man faul auf der Couch liegen sollte. Sonntag um 18 Uhr.

Das Thema unserer Bildungswoche lautet:

„Das Rheinische Braunkohlerevier in Zeiten von Energiewende und Klimawandel“

Veranstalter ist das Forum Unna. Eine Bildungseinrichtung, mit der ich bereits zweimal gute Erfahrungen machen durfte. Obwohl bereits Mitte September, werden wir bei hochsommerlichen Temperaturen auf der Terrasse der Pension „Zum goldenen Schuss“ von unserem Dozenten Andreas Peters begrüßt. Er macht einen super sympathischen Eindruck. Optisch irgendwie Alt-68er. Und mit seiner lieben Art muss man ihn gleich mögen.

Dann die erste – dem Corana Virus geschuldete – Hiobsbotschaft: der Besucherdienst von RWE hat seine Tätigkeiten bis Anfang nächsten Jahres eingestellt. Deswegen kann im Verlauf der Bildungswoche weder ein Braunkohlekraftwerk von innen noch der Tagebau-Schaufelradbagger von unten angeschaut werden, sondern erstes nur aus der Ferne und letzteres von oben. Na toll. Jetzt will ich aber mein Geld zurück!

Andreas meint, dass RWE seine Öffentlichkeitsarbeit im Braunkohle-Sektor eventuell auch nach der Corona-Pause nicht mehr aufnehmen bzw. nur in deutlich geringerem Umfang ausführen wird. Aufgrund des von der Regierung beschlossenen Ausstiegs aus Braunkohleabbau und -verstromung bis 2038 macht es eventuell nur noch bedingt Sinn, auf diesem Gebiet Sympathiepunkte sammeln zu wollen.

Dann die übliche Vorstellungsrunde aller Teilnehmer. Einer leitet bei einer Behörde den Fachbereich für Infektionsschutz. Er wird sicher ein wachsames Auge darauf haben, wie wir uns verhalten.

Dann berichtet ein Ehepaar, es mache jedes Jahr „Urlaub auf Rezept“. Da werde ich schlagartig wach und höre aufmerksam zu. Hafenarbeiter Marco kennt das natürlich. Klar, wer dreimal im Jahr im Bildungsurlaub ist, weiß um jede noch so kleine Lücke, um nicht auf Maloche zu müssen.

Ich bin an der Reihe und mache den ersten Fauxpas. Auf die Frage, warum ich mich für diesen Bildungsurlaub angemeldet habe, sage ich unter anderem, dass ich auf meinen Radtouren bisher das Gebiet Ruhrpott und Umgebung ausgelassen habe.

„Aha. Das hier läuft für jemanden aus dem Norden also unter Ruhrpott und Umgebung“, sagt Andreas. 

Ruhrpott ist Steinkohleabbau, werde ich aufgeklärt. Und hier wird Braunkohle abgebaut. Gut, dass ich das jetzt weiß. Von allein bin und wäre ich da nie drauf gekommen.

Eine Teilnehmerin ist mit ihrem E-Bike hier. Nachdem sie im Programm von Tagestouren bis zu 75 km gelesen hat, plagen sie Ängste.

„Hält das der Akku? Was, wenn nicht? Ich habe gesehen, einer hat sogar ein Rennrad mit? Wie schnell wird denn gefahren?“

Ich hätte ja nie gedacht, dass ein E-Biker so viele Befürchtungen und Ängste hat. Meine Vermutung wäre eher, dass die Radfahrer – also die echten, die mit dem Motor in den Beinen – Sorge haben könnten, dass die motorisierten “ Pedelecer“ sie mit ihrem am Rad angebrachten Kraftwerk, welches mehr Watt leistet, als Lance Armstrong zu besten Doping Zeiten, abhängen könnten. Doch es ist wohl umgekehrt. Das Verhältnis Radfahrer zu Radroller (Pedelecs) beträgt übrigens 50/50.  Eine gesunde Mischung, wie sich während der Woche heraus stellen wird.

Eine weitere Teilnehmerin hat schon etliche Bildungsurlaube gemacht. Selbsterfahrung, Entspannungsübungen und so ein Zeugs. Und jetzt zum ersten Mal mit dem Rad. Um mal richtig zu entspannen und zu sich selbst zu finden.

Volker aus Hamburg stößt als Nachzügler zu uns. Er „fährt halt gerne Rad. Und die Thematik ist bestimmt auch interessant.“ Guter Mann.

Bildet Radfahren eigentlich?

Andreas klärt uns auf, dass Radfahren keine Bildung ist. Wenn wir Rad fahren, befinden wir uns in der Freizeit. Um unsere 40 Bildungseinheiten zusammen zu bekommen, werden wir somit von morgens bis abends unterwegs sein. Dienst nach Vorschrift von 8 bis 16 Uhr ist also nicht. Es wäre besser für uns, den Bildungsurlaub weniger als Urlaub und mehr als Bildungszeit zu begreifen.

Auf dem aktualisierten Programmzettel steht sogar, dass wir am Mittwoch noch um 22 Uhr los wollen. Tagebau in der Nacht. Wer weiß, wann wir da zurück sind? Kein Wunder, dass das im offiziellen Programm nicht erwähnt wurde. Da meldet sich ja keiner freiwillig zu an. Das sei nur allen Zweiflern gesagt, die meinen wir schlafen erstmal aus, machen dann bis Mittag ein wenig Larifari und halten dann die Bäuche faul in die Sonne. 

Von wegen. Sonntag Abend um 20:54 Uhr bekommen wir noch Karten ausgehändigt. Und ich habe den Eindruck, der Andreas geht stark davon aus, dass wir die später auf dem Zimmer noch eingehend studieren.

Abschließend gucken wir zwei Kurzfilme. „Wie die Bagger ins Rheinland kamen“ und ein Werbefilmchen von RWE mit dem computeranimierten Energieriesen, der uns vorgaukeln möchte, RWE sei ein grüner Konzern und saubere Energie ein Kinderspiel. Der Film wurde 2010 erstellt und lief im Vorprogramm zu Harry Potter. So gesehen passt es natürlich. Sind ja beides Märchenfilme.

Tagebau Hambach

Nach einer Nacht, in der ich zum Glück nicht vom Energieriesen geträumt habe, sattelt unsere Bildungstruppe um Viertel nach Neun auf. Von Beginn an wird ein angenehm flottes Tempo angeschlagen. Der erste Halt nach wenigen Minuten und wir blicken von einer kleinen Brücke auf Bahngleise.

„Die gehören RWE“, sagt Andreas. Denn RWE hat ein eigenes Streckennetz an Bahnlinien. Ausschließlich für den Braunkohletransport bestimmt. Wenn es läuft, rollt hier alle 20 Minuten ein Zug vorbei. Diese Strecken sind beliebt für Proteste, denn der normale Bahnverkehr wird durch das  Blockieren dieser Gleise nicht behindert.

Nach ein paar weiteren Minuten Fahrt stehen wir vor einem riesigen Loch in der Erde. Dem Tagebau Hambach. Eine in der Natur klaffende Wunde. Die Luft ist staubig und die Temperatur gefühlt noch mal höher als ohnehin schon. Die Dimensionen des Hambacher Tagebaus sind schwer zu fassen.

Seit 1984 wird hier Braunkohle gefördert und das Loch ist inzwischen auf eine Fläche von ca. 4.400 ha angewachsen. Das entspricht mehr als 6.000 Fußballfeldern! Bis zu 400 Meter tief wird hier gegraben, um jedes Jahr 40 Millionen Tonnen Braunkohle zu fördern.

Die riesigen Schaufelradbagger schauen auf den ersten Blick und von oben betrachtet gar nicht mal so groß aus. Doch der Eindruck täuscht. Sie sind bis zu 225 Meter lang und damit länger als zwei Fußballfelder. Die Höhe des Baggers mit der Nummer 287 beträgt satte 95 Meter. Das sind nochmal 9 Meter mehr als die Aussichtsplattform des Sail City Hotels in Bremerhaven hoch ist. Allein das Schaufelrad hat mehr als 20 Meter Durchmesser. Die kaum zu erkennenden Lkw, die in der Grube fahren, wirken dagegen winzig klein. Und der Energieriese von RWE hat dafür gesorgt, dass die Bagger alle elektrisch betrieben werden. Ob er damit die gewaltigen CO2-Emissionen kompensieren kann, die durch Verbrennung der Braunkohle – des klimaschädlichstem Energieträger von allen – entstehen? Nur ein gutes Drittel der bei der Verbrennung erzeugten Energie wird zu Strom, der Rest geht als Abwärme in die Luft und verpufft.

Der Tagebau Hambach ist ein faszinierender Ort. Auf der einen Seite wurde und wird hier Natur massiv zerstört. Jedes Jahr werden bis zu 350 Millionen Kubikmeter Grundwasser abgepumpt, um bis auf die erwähnten 400 Meter buddeln zu können. RWE hat einen Antrag gestellt, noch mal 100 Millionen Kubikmeter mehr Grundwasser abpumpen zu dürfen: also 450 Millionen Kubikmeter im Jahr. Grundwasserabsenkungen sind die Folge. Und dadurch weniger Wasser für umliegende Wälder. Und auch Bodenabsenkungen, die zum Beispiel zu Rissen an Häusern führen. In das Hambacher Loch würde der Kölner Dom mit seinen 157 Metern Höhe zweieinhalb mal hinein passen. Ganze Dörfer mussten weichen, damit die Erde weiterhin der Braunkohle beraubt werden kann.   Und auf der anderen Seite hat diese gewaltige und in mehreren Trassen angelegte Ausdehnung mit ihren verschiedenen Sand- und Brauntönen einen eigenen optischen Reiz. Und schon immer konnten riesigen Bagger kleine Jungs beeindrucken. Was für Geräte!

Wir stehen noch einige Minuten vor diesem Loch und lassen den Anblick wirken. Dann löst uns eine Gruppe von Landwirten aus Bayern ab. Deren Vorturner ist ein Politiker aus einem der angrenzenden Orte, welcher begeistert die Vorzüge des Tagebaus aufzählt. Das der Hambacher Forst zu fast 90 Prozent gerodet wurde, um an die Kohle zu kommen?

„Ach, das Stückchen Wald war eh nicht viel wert. Viel Totholz und längst nicht so alt wie behauptet wird. Um den ist es nicht schad‘.“

Außerdem hat man doch für Ersatz gesorgt. Die inzwischen bewaldete Sophienhöhe.

„Und die ist so groß, da brauchen sie eine Karte, um sich nicht zu verlaufen“.

Im Verlauf der nächsten Tage werden wir noch oft widersprüchliche Meinungen hören. Auf alle Fälle ist der Blick auf den Tagebau Hambach ein toller Einstieg. Darum wird es gehen. Um die Braunkohle und alles drum herum. Um langsam sterbende Dörfer. Um zwangsweise umgesiedelte Menschen. Um die Zerstörung von Wald und Renaturierung. Um verlegte Autobahnen und schlechte Luft. Um Zerstörung und neu Aufgebautes. Um Widerstand, Hoffnung uns Resignation. Aber auch um Forschung und alternative Energiegewinnung. Eine spannende Woche steht uns bevor.

Über Tietz geht es durch den vom Abriss knapp verschonten Ort Holzweiler und anschließend nach Keyenberg. Das ist eines dieser sterbenden Dörfer, welche weichen sollen, um die Braunkohle zu fördern. Wie ist es überhaupt möglich, dass ein ganzes Dorf geräumt und abgerissen werden darf? Einschließlich der Kirche, dem Marktplatz und Jahrhunderte altem Baumbestand? Das Menschen raus müssen aus ihren Häusern? Das Land verlassen, welches vielleicht schon seit Generationen der Familie gehörte? Wieso ist das erlaubt?

Das liegt an den gesetzlichen Bestimmungen, die Bodenschätze und Bergbau betreffen: dem Bergrecht. Das heute geltende Bundesberggesetz fußt unter anderem auf einem Gesetz aus der Zeit der Preußen von 1865 und einer von den Nazis erlassenen Verordnung zur Gewinnung von Bodenschätzen aus dem Jahr 1934. Dadurch sind die im Bergbaugesetz genannten Bodenschätze wie eben die Braunkohle dem Grundeigentum entzogen. Das heißt, dir gehört vielleicht ein Stück Land und das Haus darauf, doch die Braunkohle 400 Meter weiter unten ist zunächst mal herrenlos. Die Rechte an diesem Bodenschatz können durch ein staatlich kontrolliertes Verfahren an denjenigen verliehen werden, der Interesse an dessen Förderung hat und belegt, dass er dazu auch in der Lage ist. Und es muss im Allgemeinwohl liegen, den Bodenschatz zu fördern. Hat man erstmal die Bergbauberechtigung – und das ist im Falle des Hambacher Tagebaus der RWE Konzern – kauft dieser das Land auf. Und wer nicht verkaufen will, der wird im Laufe eines Jahre andauernden Prozesses der Umsiedlung enteignet und finanziell entschädigt. So lange also RWE und Politik der Meinung sind, die Förderung von Braunkohle ist für das Allgemeinwohl zwingend notwendig, so lange hebelt das Bergbaurecht die Menschenrechte einzelner aus.

Diese Bestimmungen resultieren aus einer Zeit, in welcher es dem Staat wichtig war, die Versorgung landeseigener Ressourcen um jeden Preis aufrecht zu erhalten. Die Nazis hatten schließlich einen Krieg zu verlieren und auch später – Stichwort Ölkrise in den 70ern und damit verbundene Befürchtungen, von Energieträgern im Ausland abhängig zu werden – war der Staat der Meinung, die Braunkohle zwingend zu brauchen. Und deswegen wurden hier und anderswo ganze Dörfer und Städte platt gemacht. Klingt komisch. Ist aber so.

Heute steht es natürlich zur Debatte, ob der weitere Abbau der Braunkohle für die Allgemeinheit noch notwendig und gerechtfertigt ist. Es gibt Alternativen und bis 2038 sollen die Braunkohlekraftwerke vom Netz gehen. Aber dennoch wird weiter abgerissen. Will RWE hier unveränderliche Tatsachen schaffen, um den Braunkohleausstieg weiter hinaus zu zögern? Wer weiß das schon?

„Unsere Heimat hat Potenzial“. Ist das so?

Es gibt auch Ausnahmen. Der Ort Holzweiler war vom Tageabbau bedroht. Doch rechtzeitig vor den Wahlen wurde erreicht, dass der Ort aus dem RWE-Plan ausgenommen wurde und nicht mehr abgerissen werden sollte. Doch ist Holzweiler wirklich gerettet? Jahrzehnte drohte den Bewohnern die in Zukunft liegende Umsiedlung. Dementsprechend wurde auch Jahrzehnte nichts mehr in die Häuser investiert. Viele haben im Laufe der Jahre an RWE verkauft und sind gegangen, da man davon ausging, dass das Dorf ohnehin bald Geschichte ist. Während der Ort einen ausgestorbenen Eindruck macht und die Tankstelle so ausschaut, als wäre sie den 60ern entsprungen, werben Die Grünen auf einem Wahlplakat mit dem Slogan: „Unsere Heimat hat Potenzial“.

Vor einem Haus stehen graue Container. Jeder, der an RWE verkauft, bekommt drei an der Zahl vor die Türe gestellt, um nicht weiter benötigte Möbel entsorgen zu können. Das Haus ist besenrein an RWE zu übergeben. Dann werden Fenster und Türen entfernt und das Haus vernagelt. Irgendwann folgt der Abriss. Die grauen Container werden hier als „Dorfsärge“ bezeichnet. Die Bagger als „Heimatfresser“. Mag sein, dass Holzweiler nicht mehr eingestampft werden wird. Aber so richtig lebenswert ist es hier auch nicht mehr.

Ist Keyenberg noch zu retten?

In Keyenberg, welches ganz aktuell durch den Braunkohletagebau Garzweiler bedroht wird, treffen wir Frau Oberherr von der Initiative „Alle-Dörfer-bleiben“. Nachdem Frau Oberherr in Keyenberg eingeheiratet habe, musste sie sich jeden Tag von der Schwiegermutter anhören, dass das Heim irgendwann zu verlassen sei und die Zwangsumsiedlung drohe. Erst viel später erwachte der Kampfgeist bei Frau Oberherr. Sie will nun das Haus ihres Mannes, in welchem sie zwei Kinder groß gezogen habe, nicht mehr verlassen. Und schon gar nicht will sie in das am Reißbrett entstandene Neu-Keyenberg mit seinen Grundstücken „so groß wie ein Handtuch“. Ohne Strauch, ohne Baum und ohne Seele. Von der ihr von RWE angebotenen Ausgleichszahlung könne sie lange nicht das aufbauen, was sie verlieren würde. Und deswegen hat sie – auch als Zeichen ihres Protests – auf das Dach ihres 1904 errichteten Hauses eine Photovoltaik-Anlage gesetzt.

Ich frage mich, was das nutzt? Einen Bäcker gibt es nicht mehr. Die meisten Häuser stehen leer. Die Kirche ist schon lange an RWE verkauft. Etliche Fenster und Haustüren sind bereits vernagelt. Und in den Schmutz des Schaufensters der geschlossenen Fleischerei hat jemand mit den Finger geschrieben: „Alle Dörfer bleiben“. Je nachdem wie der Wind steht, sind die unentwegt im Garzweiler Tagebau betriebenen Bagger zu hören. Sie schaufeln sich immer näher an den Ort heran. Der Satz „Hören Sie den Bagger? Ich höre ihn schon“, soll bei den RWE-Verkaufsgesprächen eine Zeit lang sehr beliebt gewesen sein.

„Ist das Dorf denn noch zu retten?“, frage ich.

Das verneint sie. Die Dorfstruktur ist über die Jahre zerbröselt, der Zusammenhalt untereinander verloren gegangen. Die einen haben verkauft. Nutzten das Angebot von RWE als Neuanfang. Viele haben resigniert. „Nützt ja nichts.“ Und einige sind geblieben. All das habe auch zu viel Diskussion und Streit geführt. So etwas könne nicht mehr gekittet werden. Und dennoch steht für Frau Oberherr fest: freiwillig geht sie nicht. „Menschenrechte gehen vor Bergrechte“.

Abschließend radeln wir zur Mahnwache Lützerath. Drei junge Menschen lümmeln dort herum und starren auf ihre Handys. Wer von uns mag, bekommt einen Kaffee. Doch ein Gespräch mit ihnen kommt nicht zu Stande. Andreas sagt, das ist halt ganz unterschiedlich, wen und wie viele man antrifft. Mal komme es zu lebhaften Diskussionen und heute eben nicht. Vielleicht liegt es auch an der Hitze, dass die drei nichts zu erzählen haben.

In Sichtweite schaufelt einer der großen RWE-Bagger. Bis auf vielleicht 100 bis 150 Meter können wir heran gehen. Dann ist ein Wall aufgeschüttet und ein rot-weißes Flatterband macht deutlich, dass sich dahinter RWE-Land befindet. Auch der Hinweis auf ständige Video-Überwachung fehlt nicht.  

Ich frage, was denn passiert, wenn ich mich bis an den Bagger vorwage, um ein paar Fotos zu machen. Dann kommen Security und Polizei. Mal mehr, mal weniger schnell. Und es droht eine Anzeige wegen Hausfriedensbruches. Mein Anarchisten-Gen drängt mich, einen Annäherungsversuch zu wagen. Aber ich lasse es dann doch sein. Nachher bekommen die drei Passiv-Aktivisten von der Mahnwache Lützerath wegen mir noch Ärger.

Auf dem Rückweg zur Pension sehen wir dann auch das, was von Lützerath übrig geblieben ist. Praktisch nichts. Keine Kirche mehr, keine Häuser und auch keine Bäume: alles weg. Nur wenige verstaubte Straßen und ein paar Laternen zeugen davon, dass hier mal ein Dorf war. Ein beklemmender uns faszinierender Anblick zugleich.   Um unsere vielfältigen Eindrücke verarbeiten zu können, trennen Aaron, Marco, Thorsten, Detlef und ich uns von der Gruppe und fahren in einer zügig gefahrenen Schleife über die Vollrather Höhe nach Alt-Kaster, um dort gemütlich zu Abend zu essen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit sind wir erschöpft zurück in unserer Pension „Zum goldenen Schuss.“

Unser Tourenverlauf: