BTG2020 – Tag 6

Eine Nacht in einem richtigen Bett ist schon etwas Feines. Auf das Hotelfrühstück kann ich jedoch verzichten. Der Speisesaal ist zu voll und der Preis zu happig. Da suche ich lieber eine alteingesessene Bäckerei in der Innenstadt auf. Der Verkaufsraum versprüht den Charme der 70er, aber die Backwaren sind über jeden Zweifel erhaben.

Mein heutiges Radler Frühstück besteht aus zwei Kaffee, einem wahnsinnig gutem Schokocroissant, einer grandiosen Nußecke und einer Ibu 600 plus Antidepressiva. Was braucht es mehr für einen guten Start in den Tag?

Die Route führt durch viel Wald und ich bin heute erstmalig nicht gezwungen abzusteigen. Die Steigungen betragen maximal 15% und ich kurbel mich langsam im Klettergang hinauf.

In Schillingsfürst befindet sich eine Kneippanlage. Ich habe wohl Meinung, meine Füße in das kalte Nass zu halten. Doch leider befindet sich in der Anlage kein Wasser. Wahrscheinlich auch Corona bedingt.

Heute habe ich außerhalb der Ortschaften kaum Menschen angetroffen. Weder Wanderer noch Radfahrer. Hier und da mal einen Landwirt. So trete ich einsam vor mich hin.   Hört sich langweilig an? Vielleicht. Mir gefällt´s. Ich kann in Ruhe nachdenken oder auch an gar nichts denken. Die Umgebung, die Eindrücke wahrnehmen. Wirken lassen. Die vielen Grün- und Brauntöne des Waldes. Der Duft frisch geschlagenen Holzes. Hasen, die vor mir die Flucht ergreifen. Ein aufgeschrecktes Reh. Über frisch gemähten Feldern kreisende Bussarde auf der Suche nach Nahrung. Hohes Gras, dass meine Waden und Blätter, die meine Hände streifen. Das Blau des Himmels, die wärmende Sonne, der kühlende Fahrtwind auf einer schnellen Abfahrt.

Einfach leben. Den Moment genießen. Den eigenen Körper spüren. Ein wild schlagendes Herz in einer geprellten Brust.

Nachdem ich gestern wie ein kleiner König genächtigt habe, gelüstet es mir auch heute nach einem festen Dach über dem Kopf. Wer einmal aus dem großen Topf des Wohlstandes und Luxus genascht hat, will immer wieder in diesen Genuss kommen. Nur findet sich mitten im Wald kein Hotel. Dann nehme ich eben mit der Hütte des Försters vorlieb. Sie ist unverschlossen und macht einen ordentlichen Eindruck. Ein Tisch, ein Schemel, ein Regal, ein Kamin und eine Wäscheleine. Sogar ein Besen, um kurz auszufegen, bevor die Isomatte ausgerollt wird. Auch ein kleiner Spiegel hängt an der Wand, vor dem ich mich morgen frisch machen kann. Gefällt mir. Hier bleibe ich.