BTG2020 – Tag 2

Während des gestrigen Tages habe ich oft gedacht, dass die Route trügerisch flach und auch vom Untergrund fein zu fahren war. Das hat nun ein Ende. Auf rumpeligen Waldpfaden geht’s steil bergauf. Ich komme nicht umhin, diverse Male abzusteigen und mein 35 kg schweres Rad über Wurzeln und Geröll die Steigungen hinauf zu schieben.

Am nördlichsten Punkt der Schweiz angelangt – dem Schwarzen Stein – möchte ich bei bester Panoramaaussicht ein verspätetes Frühstück genießen. Ich baue den Gaskocher auf und fummel unter Mühen mein Müsli aus den viel zu eng geschnittenen Taschen. Und stelle fest: ich habe gar kein Wasser mehr, um mir ein leckeres Porridge zu kochen. Alle drei Flaschen sind komplett leer. Das ist mir auch noch nicht passiert. Also weiter treten. Das nur wenige Kilometer weiter sich ein Friedhof mit feinstem Trinkwasser findet, freut mich sehr.

Über Whatsapp weist mich als Reaktion auf mein tägliches Update eine Igel Liebhaberin freundlich darauf hin, dass ich hoffentlich am Vorabend nach meinem Abendmahl meinen Müll wieder weggeräumt habe. Ein Igel könnte in der Suppendose steckenbleiben und würde dann verenden. Natürlich habe ich das. Leave no traces und so.
 
Es geht schleppend voran. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit war wohl nie niedriger als auf dieser Tour. Ich versuche mich schon jetzt mit dem Gedanken anzufreunden, es nicht bis nach Rügen im selbst gestecktem Zeitfenster von 14 Tagen zu schaffen. Darauf eine Pizza in irgendeinem der Orte, die heute durchfahren wurden!

Die Salami Pepperoni Pizza samt Remouladen Topping im Magen, werden die nächsten Kilometer und Höhenmeter in Angriff genommen. Ob die Pizza nun tatsächlich Kraft gibt oder welche raubt, lässt sich schwer sagen. Doch bereuen tue ich nichts.

Zwei Stunden später gönne ich mir in einer Gaststätte ein isotonisches Kaltgetränk. Im gut gefülltem Gastraum sitzen alle ohne Mundschutz an den Tischen. Ich bestelle an der Theke und werde darauf hingewiesen, dass ich bitte draußen Platz nehmen möge. Beim Betreten und Verlassen der Gaststätte ist ein Mundschutz zu tragen. Nur mit diesem kann ich innerhalb der Gaststätte bedient werden. Wenn ich allerdings Platz genommen habe, brauche ich den Mundschutz nicht mehr aufbehalten. Die Gastwirtin muss schmunzeln, als sie mir das erzählt.

Also setzte ich mich brav noch draußen. Mein Blick fällt auf die Einheimischen, die sich das ein oder andere Bier gönnen. Manch einer schaut recht versoffen drein. Besonders der, der ein Cappy der Freiwilligen Feuerwehr trägt. So habe ich mir das bei den Jungs auch immer vorgestellt.

Gegen 20 Uhr erreiche ich eine Schutzhütte. Die beiden Bänke sind bereits von einem Ehepaar Mitte 50 belegt. Daher schlage ich mein Zelt auf dem angrenzenden Spielplatz und Freizeitareal auf. Während ich auf der Bank sitze, lässt sich die Sonne noch einmal blicken und ich bewundere den wunderschönen Himmel.

Daten bei komoot:

89,9km in 6h 27m Fahrtzeit / Ø 13,9 km/h / 1.550hm